hERZgeschichten

Von einem der auszog, um anzukommen

Jens Fischer

Es klingt fast wie ein Märchen: Da zieht ein junger Mann aus dem Erzgebirge in die große weite Welt; erlernt einen angesehenen Beruf; wird ein Meister seines Faches; findet eine gut bezahlte Anstellung in einem großen Konzern und könnte in Glück und Zufriedenheit leben. Doch Jens Fischer wäre nicht Jens Fischer, wählte er den einfachen Weg. Schon immer reizen ihn die Aufgaben, die nicht allzu leicht zu bewältigen sind.

Der heute 38-Jährige wächst in Zschopau auf. Schon als Halbwüchsiger hilft er oft im väterlichen Betrieb. Die Firma »Holz- und Bautenschutz Uwe Fischer« genießt einen hervorragenden Ruf. So lernt Sohn Jens frühzeitig, was es heißt, unternehmerische Verantwortung in einem Familienunternehmen zu tragen. In dieser Zeit wächst auch seine Liebe zu Technik und Maschinen.

Deshalb startet Jens Fischer in Wolfsburg ein Studium der Fahrzeugtechnik, das er als Diplom-Ingenieur (FH) abschließt. Nun stehen ihm alle Türen im gewaltigen VW-Konzern offen. Sein beruflicher Weg führt ihn nach Zwischenstationen ins Motorenwerk Chemnitz der Volkswagen Sachsen GmbH. Hier ist der junge Ingenieur für die Qualitätssicherung der Produktionslinien und der Zulieferer zuständig – eine Aufgabe, die ihn in aller Herren Länder führt.

Und dennoch: Eingebunden und abgesichert in der Struktur eines großen Unternehmens fehlt Jens Fischer etwas: Die Herausforderung. Und so bedarf es nicht vieler Worte im Familienrat, um den Ingenieur zum Einstieg in die väterliche Baufirma zu überreden. „Na klar habe ich im Motorenwerk gut verdient. Aber Geld ist nicht alles. Ich will mich verwirklichen, nicht ein kleines Rädchen im großen Getriebe sein. Ich will selbst etwas unternehmen.“ Pünktlich zum 25. Jubiläum des Betriebes im Jahre 2018 wird Jens Teil des Betriebes.Neun Mitarbeiter sind zu diesem Zeitpunkt hier tätig, alles gestandene und erfahrene Facharbeiter, die ihr Handwerk verstehen.

Der Ingenieur drückt sogar noch einmal die Schulbank der Meisterschule und hält jetzt seinen Meisterbrief als Maurer- und Betonbaumeister in den Händen. Stillstand gibt es bei ihm nicht. Vor kurzem übernimmt die Firma eine Tischlerei samt dreier Tischler und integriert sie in das Unternehmen. „Die Kollegen erweitern unsere Leistungspalette und die Wertschöpfungskette“,

Musik und SPort als Kontrastprogramm

Da verwundert es nicht, dass sich der Vater zweier Söhne auch um mehr als das Geschäft kümmert. Seit vielen Jahren engagiert er sich für den Ring- und Stemmklub „Jugendkraft 1898“ Gelenau. Inzwischen ist er Vereinsvorsitzender des fast 200 Mitglieder zählenden Vereines und Mannschaftsleiter der 1. Mannschaft. Auch seine Jungen hat er mit der Liebe zum Ringsport schon angesteckt. Jeden Freitag müht sich Jens Fischer selbst beim Training.

Und damit es nicht allzu langweilig wird, geht der Tausendsassa noch einer weiteren Beschäftigung nach. Er spielt Trompete bei Brass94, einem Ensemble des Jugendblasorchester der Stadt Thum. Dort wird seltener der Marsch, als vielmehr Pop-Musik geblasen. „Mir macht das sehr viel Spaß. Die Musik ist ein guter Ausgleich zur Arbeit“, so der Hobbymusiker.

Solche wie Jens Fischer gibt es viele im Erzgebirge. Ausgezogen in die Welt, zurückgekehrt in die Heimat und letztendlich mit allen ihren Fähigkeiten und Erfahrungen angekommen im Erzgebirge. Sie stärken die heimische Wirtschaft, fördern den Zusammenhalt und das Gemeinwohl. „Momentan bin ich dabei, junge Leute in unser Unternehmen zu holen“, resümiert Jens Fischer. „Die gesunde Mischung der Generationen sorgt für ein familiäres Arbeitsklima. Und dies ist bei vielen Firmen im Erzgebirge so.“

Text: Steffen Wollmerstädt | Fotos: Lukas Ullmann

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